Ratgeber Anbau / Carport: Ein Carport ist für viele Hausbesitzer eine attraktive Alternative zur klassischen Garage. Er schützt das Fahrzeug vor Regen, Schnee, Hagel und UV-Strahlung – und wirkt dabei oft leichter und moderner als ein geschlossenes Gebäude. Doch eines ist klar: Das Dach ist das Herzstück eines Carports. Es entscheidet über Stabilität, Optik, Lebensdauer und sogar die spätere Nutzung. Wer einen Carport plant oder modernisieren möchte, sollte sich deshalb intensiv mit der Dachkonstruktion, den Materialien und den Möglichkeiten beschäftigen.
In diesem Beitrag erfährst du, worauf es wirklich ankommt.
Traglast und Konstruktion – entscheidend für Sicherheit
Die Dachkonstruktion ist weit mehr als ein dekoratives Element. Sie bestimmt, welche Lasten aufgenommen werden können und wie lange der Carport stabil bleibt. Besonders wichtig ist die Traglast pro Quadratmeter. Sie beschreibt, wie viel Gewicht das Dach aufnehmen kann – und dazu zählt nicht nur das Eigengewicht des Materials, sondern auch Regenwasser, Windkräfte und vor allem Schnee. In vielen Regionen Deutschlands bewegt sich die erforderliche Schneelast zwischen etwa 65 und 126 Kilogramm pro Quadratmeter. In höheren oder schneereichen Lagen kann dieser Wert jedoch deutlich höher ausfallen.
Gerade dort ist eine statische Berechnung durch einen Fachbetrieb sehr sinnvoll, denn Standard-Carports aus dem Katalog sind nicht immer für extreme Wetterlagen ausgelegt. Auch die Dachneigung spielt eine große Rolle. Ein leicht geneigtes Dach ermöglicht es, dass Schnee teilweise abrutschen kann, während Flachdächer stärker belastet werden und daher stabiler konstruiert sein müssen. Wer in Schneeregionen lebt, sollte darauf besonders achten.
Die passende Dachform wählen
Die Dachform bestimmt sowohl die technische Funktion als auch das Erscheinungsbild des Carports. Ein Flachdach wirkt modern und schlicht und lässt sich vielseitig nutzen – etwa für eine Begrünung oder Photovoltaik. Ganz flach ist es jedoch nie, denn eine leichte Neigung ist nötig, damit Regenwasser zuverlässig abläuft. Dadurch bleibt allerdings auch Schnee eher liegen, weshalb die Konstruktion entsprechend stark ausgelegt sein muss.
Das Pultdach, also ein Dach mit einseitiger Schräge, ist eine ebenfalls sehr beliebte Lösung. Es leitet Wasser und Schnee zuverlässig in eine Richtung ab und eignet sich hervorragend für Solarmodule. Gleichzeitig ist es optisch zurückhaltend und vergleichsweise einfach zu bauen.
Beim Satteldach erinnert die Form an ein klassisches Hausdach. Diese Dachform bietet eine sehr gute Schneeeignung und eine traditionelle Anmutung, ist jedoch meist etwas aufwendiger und teurer.
Sonderformen wie Walmdach oder Tonnendach sind echte Blickfänge und werden häufig individuell geplant. Sie sind architektonisch reizvoll, erfordern aber in der Regel höhere Investitionen und eine fachliche Planung.
Holz, Stahl oder Aluminium oder etwas anderes?
Das Material des Carports prägt den Charakter der gesamten Anlage. Holz steht für Natürlichkeit und Wärme. Es passt sich gut an viele Hausstile an und wirkt besonders harmonisch in grüner Umgebung. Gleichzeitig erfordert es eine regelmäßige Pflege, damit es dauerhaft gegen Feuchtigkeit und UV-Strahlung geschützt bleibt.
Stahl ist die richtige Wahl, wenn maximale Stabilität und Langlebigkeit gefragt sind. Mit der passenden Beschichtung ist es sehr witterungsbeständig, außerdem ermöglichen schlanke Profile eine elegante Optik.
Aluminium wiederum ist leicht, rostfrei und nahezu wartungsfrei – und wird deshalb gern für moderne Carports eingesetzt. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Materialwahl zur geplanten Dachform und den Lasten passt.
PVC als Dachbedeckung für den Carport
Ein Carport Dach aus dem Baumaterial PVC ist sicher das preisgünstigste Modell. PVC ist neben seinem günstigen Preis besonders leicht zu verarbeiten und lichtdurchlässig, lässt aber auch Schmutz auf dem Dach nach unten sichtbar werden
Dachdeckung – praktisch, haltbar und passend zum Haus
Die Dacheindeckung beeinflusst nicht nur die Witterungsbeständigkeit, sondern auch Lichtverhältnisse und Geräuschentwicklung. Bitumenbahnen sind beispielsweise eine weit verbreitete Lösung bei Flachdächern. Sie sind vergleichsweise günstig, langlebig und zuverlässig dicht – vorausgesetzt, sie werden fachgerecht verarbeitet. Wer mehr Licht unter dem Carport möchte, greift gern zu transparenten oder milchigen Kunststoff- oder Polycarbonatplatten. Diese sind leicht, robust und lassen Tageslicht durch.
Metall-Trapezblech gilt als sehr widerstandsfähig und pflegeleicht. Es kann allerdings bei starkem Regen etwas lauter sein. Bei Sattel- oder stark geneigten Dächern kommen auch Dachziegel oder Schindeln infrage, die optisch gut mit dem Haus harmonieren. Aufgrund ihres höheren Gewichts muss hier die Tragfähigkeit sorgfältig geprüft werden.
Glas für das Carport Dach
Ein Carport-Dach aus Glas sieht sehr modern und hochwertig aus. Meist handelt es sich nicht um „normales“ Fensterglas, sondern um Verbundsicherheitsglas (VSG) oder ESG, das besonders bruchfest ist. Falls es doch bricht, zerfällt es in kleine, weniger gefährliche Splitter – ein wichtiger Sicherheitsaspekt.
Glas wirkt edel und sorgt für eine helle, freundliche Atmosphäre unter dem Carport. Es dunkelt weder Grund noch Auto ab, was viele als angenehm empfinden. Außerdem ist Glas UV-stabil, vergilbt nicht und verzieht sich nicht. In Kombination mit einer filigranen Konstruktion entsteht ein sehr modernes Erscheinungsbild. Auch in Bezug auf die Reinigung ist Glas relativ pflegeleicht – Schmutz wird durch Regen oft von selbst weggespült.
Ein Glasdach ist schwerer als viele andere Dachmaterialien. Das bedeutet: Die Statik muss unbedingt darauf ausgelegt sein. Traglast, Befestigungspunkte, die Stärke des Glases – all das sollte geplant und berechnet werden. In schneereichen Gebieten braucht Glas ausreichende Dicke und eine stabile Unterkonstruktion.
Zudem ist Glas teurer als Polycarbonat oder Trapezblech. Auch Vogelkot, Staub oder Regentropfen sind sichtbar – das stört nicht jeden, aber man sollte es wissen. Will man dennoch etwas Beschattung, können mattierte oder getönte Gläser eingesetzt werden.
Bewährt hat sich das Wellblech
Unter Wellblech versteht man meist verzinkte Stahlbleche oder Alubleche in Wellen- oder Trapezform. Diese Varianten sind seit Jahrzehnten bewährt und werden oft bei Carports, Gartenhäusern oder Hallen eingesetzt.
Vorteile von Wellblech
Der größte Pluspunkt ist seine Robustheit bei gleichzeitig geringem Gewicht. Wellblech ist witterungsbeständig, tragfähig und sehr langlebig – vor allem, wenn es verzinkt oder beschichtet ist. Auch preislich ist es häufig günstiger als Glas oder hochwertige Kunststoffplatten. Da die Platten großformatig sind, lässt sich ein Carport-Dach damit relativ schnell montieren.
Ein weiterer Vorteil: Durch die Form der Wellen bekommt das Material eine hohe Stabilität, obwohl es dünn ist. Das macht es besonders interessant, wenn man leichte Konstruktionen plant.
Mögliche Nachteile
Wellblech kann bei starkem Regen oder Hagel deutlich lauter sein als andere Materialien. Für manche ist das kein Problem, andere empfinden es als störend. Zudem hat Wellblech – je nach Ausführung – nicht die „warme“ oder elegante Optik wie Glas oder Holz. Es kann technischer oder industrieller wirken.
Unbedingt wichtig ist auch hier eine korrekte Befestigung, denn bei Wind entsteht eine hohe Angriffsfläche. Werden falsche Schrauben oder zu wenige Fixpunkte gesetzt, kann sich das Blech lösen oder klappern.
Außerdem solltest du darauf achten, dass Kondenswasser entstehen kann: Kaltes Metall trifft auf warme Luft – dann kann sich Wasser innen niederschlagen. Es gibt jedoch beschichtete Bleche, die dies reduzieren.
Solardach – Energie direkt vom Carport
Ein Carport-Dach eignet sich hervorragend für die Installation einer Photovoltaik-Anlage. Viele Hausbesitzer nutzen die Dachfläche, um Strom für den Haushalt oder sogar für ein E-Auto zu erzeugen. Besonders Pult- und Satteldächer sind dafür geeignet, weil sie eine definierte Ausrichtung und Neigung bieten. Die Solarmodule können entweder klassisch auf dem Dach montiert werden oder direkt als Solarglasdach Teil der Konstruktion sein. Letzteres sieht sehr edel aus, ist allerdings teurer.
Unbedingt zu beachten ist, dass Solarmodule zusätzliches Gewicht mitbringen. Daher muss die Statik darauf abgestimmt sein. Auch die Ausrichtung in Richtung Süden und mögliche Verschattungen sollten frühzeitig bedacht werden.
Für die grundlegenden technischen und praktischen Auswirkungen eines Solardachs finden Sie ausführliche Informationen in unserem Ratgeber Hausbau Abschnitt Solaranlagen, die derzeit geltende öffentliche Förderung können Sie in unserem Beitrag Solardächer lohnen sich weiterhin nachlesen.
Gründach auf dem Carport – ökologisch und optisch reizvoll
Wer seinen Carport optimal in seinen Garten integrieren möchte, der sollte das Carport Dach mit einer Carport Dachbegrünung ausstatten. Wichtig dafür ist die gewählte Dachform. Bei einem Satteldach ist es je nach Höhenwinkel unter Umständen schwierig den notwendigen Unterbau für die Dachbegrünung zu befestigen. Eine gepflegte Carport Dachbegrünung ist zweifellos schön anzusehen und es bedarf auch wesentlich weniger Arbeit, als allgemein angenommen wird.
Ein begrüntes Carport-Dach verbindet Funktionalität mit Umweltbewusstsein. Es verbessert das Mikroklima, speichert Regenwasser, wirkt wärmedämmend und schafft Lebensraum für Insekten. Gleichzeitig verändert es die Optik positiv und lässt den Carport harmonischer in die Umgebung einfließen. Besonders Flach- und Pultdächer eignen sich dafür. Allerdings erhöht eine Dachbegrünung das Gewicht deutlich, vor allem wenn der Boden feucht ist. Deshalb ist eine entsprechend ausgelegte Tragkonstruktion unerlässlich. Außerdem gehört ein zuverlässiger Wurzelschutz zur Pflichtausstattung.
Bevor man eine Dachbegrünung auf dem Carport Dach anbringen will, müssen jedoch einige Vorbereitungen getroffen werden. Die erste Frage gilt der Statik. Der Dachunterbau muss auch den gewünschten Begrünungen statisch gewachsen sein. Wer zum Beispiel kleinere Bäume aufs Dach verpflanzen will, der hat sicherlich andere statische Probleme, als derjenige, der nur minimalen Bewuchs wünscht.
Die Grundfragen intensiver und extensive Dachbegrünung finden Sie in unserem Ratgeber Hausbau, Abschnitt Dachbegrünung ausführlich dargestellt.
Gute Planung zahlt sich auch beim Carport-Dach aus
Wer ein Carport-Dach plant, merkt schnell, dass es um weit mehr geht als nur darum, eine Fläche zu überdachen. Traglast, Dachform, Material, Eindeckung und mögliche Zusatzfunktionen wie Photovoltaik oder Begrünung greifen ineinander. Ein sorgfältig geplanter Aufbau sorgt nicht nur für Sicherheit und Stabilität, sondern auch für Komfort, eine ansprechende Optik und langfristige Werthaltigkeit. Besonders in Regionen mit starkem Schneefall lohnt es sich, auf eine robuste Konstruktion zu achten und im Zweifel statischen Rat einzuholen. So wird der Carport nicht nur ein funktionaler Wetterschutz, sondern eine dauerhafte und werthaltige Ergänzung zum Wohnhaus.
Quelle: Tipps24-Netzwerk – HR
Foto: Pexels / Kindel Media