Tipps zum Energiesparen

Billigstrom Vorsicht ist angesagt

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Energie / Energie sparen:  Der Bund der Energieverbraucher warnt vor Billigstromanbietern. So erfreulich die Preisnachlässe seien, müssten Verbraucher mit einem dicken Ende rechnen. Denn die Preise deckten oft nicht die Kosten. Von Strompaketen und Vorauszahlungen rät der Verbraucherverein ab. Wer allerdings die überhöhten Stromtarife anstandlos bezahle, werde durch hohe Stromkosten bestraft.

Erst wenn die Preise im Stromgroßhandel und die Netzentgelte auf ein vernünftiges Niveau sinken, könnten neue Anbieter am Markt Erfolg haben. Dafür müsste das Kartellrecht und die Netzregulierung verschärft werden. Die Bundesregierung sei hier auf dem richtigen Weg.

Neue Stromanbieter beleben den Wettbewerb

Für die Verbraucher war der Wettbewerb auf dem Strommarkt bisher eine teure Veranstaltung: Die Versorger hoben die Preise an. Gleichzeitig hielten sie Neulinge vom Markt fern. Das ändert sich jetzt. Denn nach etlichen Jahren Stille kommt wieder Bewegung in den Strommarkt. Doch bevor man den Anbieter wechselt, sollte man sich genau informieren. Denn die Gefahr ist groß, dass mit Dumpingpreisen Kunden erst gelockt und dann im Stich gelassen werden.

Bundesweite Angebote der Großen

Durch überhöhte Netzentgelte war der Strommarkt in den vergangenen Jahren blockiert. Der für 2,5 Cent je Kilowattstunde hergestellte und für 6 Cent eingekaufte Strom musste für rund 7 Cent durchs Netz transportiert werden. Nun hat die Bundesnetzagentur die Netzentgelte um etwa einen Cent abgesenkt. Belebend wirkt der politische Druck auf die großen Konzerne. Nach Yello hat nun auch E.on mit der Marke „E wie einfach“ und RWE mit Eprimo einen Billiganbieter im Markt, zugleich jedoch auch an der Leine. Auch Vattenfall will nachziehen.

E.on: „E wie einfach“

Ordentlich öffentlichkeitswirksam ist Eon mit "E wie einfach" gestartet. Um einen Cent pro Kilowattstunde (ohne Grundgebühr) will "E wie einfach" den Grundtarif des örtlichen Versorgers garantiert unterbieten und auch mitziehen, wenn die Konkurrenz ihre Preise senkt. Was Eon dabei allerdings natürlich nicht verrät: Der Grundtarif (früher allgemeiner Tarif) ist in aller Regel der teuerste Tarif jedes Versorgers, fast immer gibt es beim gleichen Unternehmen einen günstigeren.

Dumpingangebote

Mit Kampfpreisen und aggressiven Vertriebsmethoden hatten Anfang des Jahrzehnts Billiganbieter Kunden gewonnen. Man erinnert sich an Firmen wie Zeus, Tick und Ares. Schnell waren viele dieser Anbieter mit dem Geld der Kunden verschwunden.

Derzeit locken besonders die Billiganbieter Flexstrom und Teldafax zahlreiche Verbraucher mit besonders günstig aussehenden Preisen. Gemeinsam ist diesen Anbieter der sehr geringe Preis, der gut verdienende Vertrieb und die von den Kunden erwartete Vorauskasse.

Über günstige Preise freuen sich Verbraucher in der Regel. Wenn jedoch die Preise die vernünftigerweise anzusetzenden Beschaffungskosten übersteigen, dann kann etwas nicht stimmen. Das System kann nur solange funktionieren, wie neu geworbene Kunden mit ihrer Vorkasse den Strom der Altkunden mit bezahlen oder die Verluste als Kosten der Markteinführung für eine Anlaufphase finanziert werden. Auf Dauer kann dies nicht funktionieren.

Wenn Strom beispielsweise für 15 Cent je Kilowattstunde angeboten wird, dann liegt dies etwa gut sechs Cent unter dem heutigen Marktpreis. Die Anbieter müssen aber auf jeden Fall aufkommen für 8,3 Cent Steuer und Abgaben (berechnet für eine Großstadt) und etwa sechs Cent für die Netznutzung. Das summiert sich auf 14,3 Cent je Kilowattstunde. Für den Stromeinkauf, die Geschäftsabwicklung und Gewinn bleiben ganze 0,7 Cent. Auf dem deutschen Strommarkt kostet Strom rund sechs Cent je Kilowattstunde. Man kann sich leicht ausrechnen, dass die Billigstpreise nicht kostendeckend sein können, selbst wenn der Strom für drei Cent aus Polen oder der Ukraine käme.

Neu im Markt: Teldafax Energy

Die Energietochter des ehrgeizigen Unternehmens Teldafax will in zwei Jahren 500.000 Kunden gewinnen. Teldafax wurde 1998 gegründet und vermarktete zunächst Internet- und Telefonanschlüsse. Im Jahr 2000 ging es an die Börse und ein Jahr später in die Insolvenz. Dem Insolvenzverwalter gelang die Rettung und er verkaufte das Unternehmen an eine schweizer Investorengruppe, die dem Vernehmen nach noch heute hinter dem Unternehmen stehen. Strombeschaffung und Lieferung für Teldafax hat die Berliner GmbH statt-werk übernommen. Einer der beiden statt-werk-Geschäftsführer Joachim Schwarten war früher Geschäftsführer des Pleite gegangenen Stromanbieters Ares. Statt-werk hatte ziemlich unsanft vorgebliche Ares- Forderungen von den Kunden eingetrieben. Statt-werk will den Strom für Teldafax günstig aus Osteuropa beziehen.

Für einem Kilowattstundenpreis von 14,9 Cent bietet Teldafax den Strom derzeit an. Der Grundpreis von 6,50 Euro monatlich entspricht bei 3.500 Kilowattstunde Jahresverbrauch einem Zuschlag von 2,2 Cent. Allerdings verlangen die Troisdorfer dem Kunden dafür auch einiges an Risikobereitschaft ab: Zu erzielen ist der Preis nämlich nur, wenn man bereit ist, seinen Jahresverbrauch im Voraus zu zahlen und Teldafax zusätzlich 200 Euro Sonderabschlag zu gewähren, der nach Vertragsende verrechnet wird. Im Prinzip ist das nichts weiter als ein Kredit, den der Kunde Teldafax einräumen soll - verglichen mit den Zinsen, die eine Bank anbietet, zu nicht mal schlechten Konditionen. Allerdings dürfte die Anlage bei einer Bank deutlich sicherer sein. Im Falle einer Insolvenz ist der Jahresbeitrag verloren. Die Bonität von Teldafax wird am Kapitalmarkt nicht besonders hoch eingeschätzt.

Strompakete aus Pforzheim: „Strom ist billig“

Die Stadtwerke Pforzheim (SWP) bieten seit kurzem "Strom ist billig" an. Dabei zahlt der Kunde Strompakete von 1200, 2400 oder 3600 Kilowattstunden entweder in einem einmaligen jährlichen Abschlag oder vierteljährlich im Voraus. Wer mehr verbraucht, zahlt saftige Preise nach, was Verbraucherschützer regelmäßig kritisieren. Allerdings sind die SWP selbst dann noch relativ günstig, wenn man sein zuvor gekauftes Kontingent deutlich überschreitet. Abwägen muss ein Kunde aber, ob er tatsächlich so viel Geld auf dem Konto hat, dass er im Voraus hunderte Euro vorstrecken möchte. Zudem gibt es nichts zurück, wenn der Kunde weniger verbraucht, als das Paket umfasst.

Strompakete von Flexstrom

Auch Flexstrom verkauft Strom im Paket mit jährlicher, halbjährlicher oder vierteljährlicher Vorauszahlung. Bereits Ende 2005 hatte der Bund der Energieverbraucher vor dem Vorauskassemodell von Flexstrom gewarnt. Im Fall einer Insolvenz sind die vorausgezahlten Gelder verloren. Immerhin ist die Firma bis heute noch am Markt. Eine vierteljährliche Vorauszahlung mindert zwar das Risiko, aber der Preisvorteil schmilzt auch deutlich dahin. Für das 3.600 Family-Paket von Flexstrom ergibt sich ein Kilowattstundenpreise von 20,1 Cent. Wer mehr als die vereinbarten 3.600 kWh verbraucht, zahlt dann schon stolze 24,3 Cent für jede mehrverbrauchte Kilowattstunde. Wer weniger verbraucht, der hat für Strom bezahlt, den er nie bezogen hat. Der Strompreis von Flexstrom wird dadurch zum Glückspiel. Nicht jedem liegt das. Und nicht jeder Kunde erkennt bei der Bestellung, dass er am Ende wahrscheinlich mehr für seinen Strom zahlt, als er vorher kalkuliert hat.

„B-wie-Billiger“: Bonusstrom

Negative Schlagzeilen hat in den wenigen Wochen seines Bestehens bereits der Schleswiger Anbieter Bonusstrom mit seinem Produkt „B-wie-billiger“ gemacht: Das neue Projekt des Mobilcom-Gründers Gerhard Schmid verspricht zehn Prozent Rabatt auf den Grundversorgungstarif des lokalen Stromversorgers. Es sind aber bestenfalls drei Prozent, hat die Stiftung Warentest ausgerechnet: Bonusstrom beschränkt den Rabatt auf den Energieanteil des Kilowattstundenpreises - also auf nur etwa ein Drittel, der Rest sind Konzessionsabgaben, Durchleitungsgebühren und Steuern. Wer aus einem Sondervertrag seines Versorgers zu Bonusstrom wechselt, spart nichts - und wer noch im Grundtarif steckt, kann mit einem Wechsel in einen Sondervertrag oder zu einem anderen Anbieter oft mehr sparen. Zudem verspricht Bonusstrom einen um 50 Prozent höheren Anteil an erneuerbaren Energien als der Bundesdurchschnitt. Das stimmt zwar, doch 15 Prozent regenerativ erzeugter Strom ist noch immer weit von Ökostrom entfernt und liegt nahe am Bundesdurchschnitt von zwölf Prozent. Der Internet-Preisrechner Verivox hat zudem Unstimmigkeiten in den Preisangaben von Bonusstrom ausgemacht. Zieht man zusätzlich ins Kalkül, dass die Warentester auch noch Haarsträubendes in den Geschäftsbedingungen von Bonusstrom entdeckt haben und es bereits ein erstes Urteil wegen irreführender Werbung gibt, ist Bonusstrom wohl keine Bereicherung auf dem deutschen Strommarkt. Zu diesem Schluss kommt Eva Drews in der Stuttgarter Zeitung.

Pennystrom

Noch windiger wird es bei Pennystrom. Dort kann man den Strom für zehn Jahre zum Festpreis bestellen, der etwa die Hälfte unter dem üblichen Strompreis liegt. Die Bundesnetzagentur hat aufgrund erheblicher Zweifel an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und der Zuverlässigkeit der ASCARD GmbH, von Amts wegen ein Verfahren zur Untersagung der Belieferung von Haushaltskunden mit Strom gemäß § 5 S. 4 EnWG gegen die ASCARD GmbH eröffnet. Die ASCARD GmbH tritt im Geschäftsverkehr unter Pennystrom auf (Aktenzeichen BK6-07-008). Die Gier nach billigem Strom kann auch blind machen. Firmenwerbung: „Sie haben das Geld, wir die Erfahrung“. Hinterher könnte es genau umgekehrt sein.
Fazit
Nicht jeder günstige Stromanbieter ist auch empfehlenswert. Man sollte sich genau ansehen, von wem man seinen Strom bezieht. Mit der Stromrechnung haben Stromkunden einen Stimmzettel in der Hand: Geben Sie dem richtigen Anbieter das Vertrauen und das Geld. Der Preis sollte nicht das einzige Kriterium sein.

Der Bund der Energieverbraucher empfiehlt folgendes:
# Keine Strompakete und keine Vorauskassemodelle
# Keinen Strom von Anbietern, die nicht zugleich auch Netzbetreiber sind.
# Keinen Strom von Atomkraftbetreibern.
# Nach dem günstigsten Angebot des örtlichen Versorgers fragen.
# Uberteuerte Stromtarife des örtlichen Versorgers nach schriftlicher Ankündigung kürzen.

Wer keine dieser Möglichkeiten nutzt, wird zu recht durch hohe Stromkosten bestraft.

Textquelle: Energieverbraucher.de