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Lärm in offenen Wohnräumen: Lösungen für Schallschutz bei modernen Grundrissen

Deckenpaneele für bessere Akustik

Bauplanung: Die neuen Wohntrends mit offenen Wohn-Koch-Essbereichen sind in fast jedem Neubau zu finden. Trennwände schaffen Licht und Weite, doch das akustische Problem dieser neuen Planung wird oft unterschätzt: Der Schall hat freien Lauf, Küchengeräusche und Medienklänge überlagern sich, die Nachhallzeit steigt, die Konzentration lässt nach, das Wohlgefühl ebenso.

Was geschieht mit der Raumakustik in offenen Grundrissen?

In geschlossenen Wohnräumen schlucken Türen und Wände, aber auch Einrichtungsgegenstände einen Teil des Schalls. Fällt die Trennung weg, fehlen die schallabsorbierenden Flächen. Die Nachhallzeit RT60, gibt an, wie lange ein Schallimpuls benötigt, um bei normalem Zuhören um 60 deziBel abzuklingen, also den Schallpegel, bei dem man ihn in der Norm hört. In Wohnräumen sind Zeiten von 0,3 bis 0,5 Sekunden angenehm. Ausgedehnte Böden aus Parkett oder Fliesen, hohe Decken und glatte Wände können diese Zeitspanne auf über 1 Sekunde verlängern. Dann verwaschen die Worte, der Lärm steigt subjektiv, auch wenn Schallquelle und Lautstärke objektiv gleich geblieben sind.

Die Decke als Schallschutzfläche

Wände lassen sich durch Regale, Vorhänge und Akustikplatten gestalten. Die Decke wird oft vergessen, auch wenn sie die größte ununterbrochene Fläche ist.

Hier setzt eine wirksame Hilfe an: Akustikpaneele für die Decke bestehen aus schallabsorbierenden Materialien wie Mineralwolle, Polyestervlies oder Holzwolle. Sie erreichen je nach Produkt Absorptionsgrade (αw) von 0,7 bis 1,0, also eine sehr hohe bis vollständige Schallabsorption im mittleren Frequenzbereich. Sie lassen sich als abgehängte Deckensysteme, als schwebende Inseln oder flächenbündig montieren und fügen sich in jeden Einrichtungsstil ein.

 

Weitere Maßnahmen für eine ausgeglichene Raumakustik

Deckenakustik allein ist selten ausreichend. Ein durchdachtes Konzept bezieht mehrere Ebenen ein:

  • Schwere Vorhänge oder Akustikvorhänge an Fensterfronten reduzieren Reflexionen und dämpfen zugleich den Außenlärm
  • Teppiche und textile Bodenbeläge senken den Trittschall und steigern die Absorption an der Bodenebene deutlich
  • Freistehendes Mobiliar wie Sofas und Bücherregale unterbrechen direkte Schallwege zwischen Küche und Wohnzone
  • Begrünte Raumteiler verbinden gestalterischen Nutzen mit der Funktion des Schallstreuens

Für die Planung gilt: Es sollten möglichst gleichmäßig verteilt Absorptionsflächen im Raum vorhanden sein. Konzentriert man alle Maßnahmen auf eine Seite, so entstehen akustisch tote Winkel auf der einen und harte Reflexionsflächen auf der anderen Seite.

Normen und Planungsgrundlagen

Die DIN 18041 regelt in Deutschland die Hörsamkeit in kleinen bis mittelgroßen Räumen und gibt für die Nachhallzeit Zielwerte je nach Raumvolumen und Nutzungsart vor. Für Wohnräume gilt sie nicht verbindlich, gibt aber wertvolle Anhaltspunkte. Wer beim Neubau einen Akustikfachplaner hinzuzieht, kann Nachhallzeit und Schallpegel bereits in der Entwurfsphase simulieren, bevor Materialentscheidungen getroffen werden. Das spart Kosten und verhindert aufwendige Nachbesserungen.

Quelle: Tipps24-Netzwerk – HR / Foto: Pixabay / alejan610