Cyberkriminalität durch Identitätsdiebstahl nimmt weiter zu

Die Folgen von Identitätsdiebstahl können gravierend sein

Sicherheit: Laut einer YouGov-Umfrage ist bereits jeder zehnte Erwachsene in Deutschland Opfer von Identitätsdiebstahl geworden. Das sollte man dazu wissen: Identitätsdiebstahl bedeutet, dass jemand persönliche Daten einer anderen Person unbefugt erlangt und missbraucht, um sich als diese Person auszugeben oder in ihrem Namen zu handeln. Das Ziel ist meist finanzieller Gewinn, der Zugriff auf Konten oder das Begehen weiterer Straftaten.

Welche Methoden nutzen Cyberkriminelle?

Phishing

E‑Mails mit täuschend echten Links führen zu gefälschten Websites. Dort werden Passwörter, Kreditkartendaten und andere persönliche Infos abgefragt. Kriminelle versenden gefälschte E-Mails, SMS (Smishing) oder Nachrichten (z. B. über WhatsApp), die scheinbar von Banken, Behörden oder bekannten Unternehmen stammen. Ziel ist es, Opfer zur Eingabe ihrer Zugangsdaten auf einer gefälschten Website zu bewegen.

Beim Spear-Phishing werden Angriffe gezielt auf einzelne Personen oder Unternehmen zugeschnitten. Die Nachrichten enthalten oft persönliche Informationen, wodurch sie besonders glaubwürdig wirken.

Malware

Schadsoftware wird über E-Mail-Anhänge, infizierte Webseiten oder Downloads verbreitet. Beispiele sind:

  • Keylogger, die Tastatureingaben aufzeichnen.
  • Trojaner, die Zugangsdaten stehlen.
  • Spyware, die persönliche Informationen ausspäht.

Datenlecks

Wenn Unternehmen Opfer eines Hackerangriffs werden, gelangen Millionen von Kundendaten ins Internet oder werden im Darknet verkauft. Cyberkriminelle nutzen diese Daten für weitere Angriffe.

Social Engineering

Dabei manipulieren Angreifer ihre Opfer psychologisch. Sie geben sich beispielsweise als Mitarbeiter einer Bank, eines IT-Supports oder einer Behörde aus und erschleichen so vertrauliche Informationen.

Credential Stuffing

Viele Menschen verwenden dasselbe Passwort für mehrere Konten. Gelangen Kriminelle an ein bekanntes Passwort, testen sie dieses automatisiert bei zahlreichen anderen Online-Diensten.

SIM-Swapping

Kriminelle überzeugen den Mobilfunkanbieter, eine neue SIM-Karte auf den Namen des Opfers auszustellen. Anschließend können sie SMS-TANs oder Einmalcodes empfangen und Konten übernehmen.

Öffentliche WLAN-Netze

Ungesicherte WLANs können für sogenannte Man-in-the-Middle-Angriffe genutzt werden, bei denen Daten zwischen Nutzer und Internet abgefangen werden.

Fake-Websites und Fake-Shops

Täuschend echt gestaltete Webseiten fordern Nutzer auf, sich anzumelden oder Zahlungsdaten einzugeben. Beim Bestellprozess muss man sensible Daten eingeben – und bekommt danach keine Ware, aber die Daten sind gestohlen.

Diebstahl physischer Dokumente

Gestohlene Brieftaschen, Ausweise oder nicht geschredderte Dokumente liefern wertvolle Informationen für Identitätsbetrug.

Wohnungsbetrug:

Eine noch recht neue Masche. Wohnungssuchende nehmen an einem gefälschten „Post‑Identverfahren“ teil – tatsächlich ermöglichen sie dem Betrüger, in ihrem Namen ein Bankkonto zu eröffnen.

 

Welche Schäden können entstehen?

Die Folgen von Identitätsdiebstahl sind oft gravierend: Kriminelle können im Namen der Betroffenen Schulden machen oder Bankkonten leer räumen. Wird die Identität für strafbare Handlungen missbraucht, besteht die Gefahr, dass das eigentliche Opfer selbst ins Visier der Ermittlungen gerät.

Ein erfolgreicher Identitätsdiebstahl kann dazu führen, dass:

  • Bankkonten geplündert werden,
  • Kreditkarten missbraucht werden,
  • Kredite im Namen des Opfers aufgenommen werden,
  • Online-Konten übernommen werden,
  • Einkäufe auf Rechnung erfolgen,
  • Verträge oder Mobilfunkanschlüsse abgeschlossen werden,
  • der Ruf und die Bonität des Opfers Schaden nehmen.

Was kann gestohlen werden?

Zu den häufig missbrauchten Daten gehören:

  • Name, Anschrift und Geburtsdatum
  • Personalausweis- oder Reisepassdaten
  • Bank- und Kreditkartendaten
  • Zugangsdaten zu E-Mail-, Social-Media- oder Online-Konten
  • Steuer- oder Versicherungsdaten
  • Biometrische Daten (z. B. Fingerabdruck oder Gesichtserkennung)

Wie kann man sich schützen?

Identitätsdiebstahl zählt heute zu den häufigsten Formen der Cyberkriminalität. Da Angreifer zunehmend automatisierte Werkzeuge und Künstliche Intelligenz einsetzen, werden ihre Methoden immer überzeugender. Ein kritischer Umgang mit unerwarteten Nachrichten und eine gute digitale Sicherheitsroutine sind daher der wirksamste Schutz.

Keine sensiblen Informationen auf öffentlich zugänglichen Plattformen teilen. Sichere Passwörter für jedes Konto verwenden, wenn möglich die Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren und regelmäßig Kontoauszüge prüfen. Vorsicht bei gefälschten Immobilienangeboten: keine sensiblen Daten herausgeben. Bei einem Verdacht auf Identitätsdiebstahl ist schnelles Handeln gefragt: Konten sollten umgehend gesperrt und sämtliche Passwörter geändert werden. Zudem ist es wichtig, den Vorfall der Polizei zu melden, Anzeige zu erstatten und Auskunfteien wie die Schufa zu informieren.

Schutzmaßnahmen im Einzelnen

Um das Risiko zu verringern, sollten Sie:

  • für jedes Konto ein einzigartiges, starkes Passwort verwenden (idealerweise mit einem Passwortmanager),
  • die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) aktivieren,
  • niemals Zugangsdaten über Links in E-Mails oder SMS eingeben,
  • Betriebssysteme und Programme regelmäßig aktualisieren,
  • Antiviren- und Sicherheitssoftware einsetzen,
  • Kontoauszüge und Online-Konten regelmäßig kontrollieren,
  • persönliche Daten sparsam in sozialen Netzwerken veröffentlichen,
  • sensible Dokumente sicher vernichten und
  • bei Datenlecks Passwörter sofort ändern.

Wie kann eine Rechtsschutzversicherung helfen?

Eine Internet-Rechtsschutz bündelt alle Leistungen zum Schutz vor Cyberkriminalität. Dazu zählen neben Identitätsmissbrauch Reputationsschäden, Missbrauch von Zahlungsmitteln, Cyber-Mobbing und Stalking-Attacken. Gerade im Bereich Internetkriminalität sind schnelle Lösungen unerlässlich. Rechtsschutzversicherungen bieten deshalb auch Unterstützung bei der Löschung rufschädigender Inhalte oder auch eine Lebenslagenberatung, wenn Opfer unter den Folgen des Identitätsdiebstahls leiden. Die Versicherung übernimmt Kosten für Anwälte, Gerichtsverfahren und Schadenersatzforderungen, zudem bietet sie oft auch Unterstützung bei unberechtigten Forderungen nach Urheberrechtsverstößen.

Quelle: Roland Rechtsschutz-Versicherungs AG, Köln
Foto: djd/Roland Rechtsschutz-Versicherungs AG/Getty Images/Daniel de la Hoz